Fährtenkunde

Fährten- und Spurenkunde waren schon in den alten Zeiten der Jagd eine Meisterdisziplin. Dem kundigen Jäger ermöglichte das Lesen der Zeichen des Wildes am Boden genaue Rückschlüsse auf den Zeitpunkt des Entstehens der Spur, das Alter des Tieres, den körperlichen Zustand und die Bewegungsgeschwindigkeit, also ob ziehendes, trollendes oder flüchtiges Wild die Spuren verusacht hatte. Im Hinblick auf Rotwild, speziell dem Hirsch, spricht man heute noch im Zusammenhang mit seinen Trittsiegeln von hirschgerechten Zeichen, die für den informierten Jäger nützliche Informationen offenbaren.

Um diese alte Disziplin der Fährtenkunde einzuüben und die Unterschiede in den Siegeln zu studieren, fanden sich Lehrgangsteilnehmer der Jagdschule Weitnau an einem heißen Sommertag zur praktischen Ausbildung ein.
Mit Mörtel und vorher eingefrorenen Läufen von Geiß, Bock, Hirsch, Rottier, Schwarzwild und Steinmarder wurden im Zement die verschiedenen Trittsiegel, Vierballenzeichen, Kreuztritt, Beitritt, Übereilen, Dreisprung, Hinterlassen und Doppeln erstellt und anschließend ausgewertet und miteinander verglichen.

Die plastische Darstellung der Siegel erleichterte es allen Teilnehmern sichtlich, das vorherige „Buch der Fährten mit sieben Siegeln“ aufzuschlagen, zu verstehen und sich schließlich die Details zu merken. Der heiße, aber alleseits als sehr lehrreich empfundene, Nachmittag endete mit einem kühlen und erfrischenden (logischerweise alkoholfreien) Trunk im Schatten.

Hans A. Werner, Jagdschule Weitnau